Techniken der Plastischen Chirurgie

plastische chirurgieDie Plastische Chirurgie (griech. plastein - bilden, formen, gestalten) ist eine ganz spezielle Form der Chirurgie, die funktionellen und/oder ästhetische, bzw. kosmetische Veränderungen an Organen oder der Körperoberfläche vornimmt

Es existieren viertausend Jahre alte Papyrusrollen aus dem alten Ägypten, die bereits von der Plastischen Chirurgie berichten und davon zeugen, dass die plastische Chirurgie vermutlich die älteste Form der Chirurgie überhaupt ist.

Die unterschiedlichsten, zum Teil grausam entstellenden Verletzungen im 1. und 2. Weltkrieg stellten enorme Herausforderungen an die Plastische Chirurgie dar, um die Folgen von Verletzungen, Verbrennungen und Verstümmelungen zu behandeln und verlorene Funktionen z.B. der Hand zu rekonstruieren. Um auch das äußere Erscheinungsbild wiederherzustellen, wurden auch die Techniken im ästhetischen Bereich deutlich verbessert.

Ein Facharzt für Plastische Chirurgie muss eine entsprechende mindestens 6-jährige intensive Ausbildung an einer fachspezifischen Abteilung für Plastische Chirurgie absolviert haben.

Aktuelle Fortschritte der Rekonstruktiven Chirurgie

Die Rekonstruktive Chirurgie hat das Ziel der Wiederherstellung von Form und Funktion bei erworbenen und angeborenen Defekten. Naturgemäß ist sie dadurch zu einem großen Anteil in den übrigen Bereichen der Plastischen Chirurgie, d.h. in der Handchirurgie, der Verbrennungschirurgie und selbst in der ästhetischen Chirurgie enthalten. Da sehr viele Defekte auch die Körperoberfläche und damit das Äußere des Menschen betreffen, hängt das Gelingen der Rekonstruktiven Chirurgie in hohem Maße davon ab, ob auch die ästhetische Seite des Operationsergebnisses für den Patienten akzeptabel ist.

5 Gebiete seien erwähnt, auf denen in der letzten Zeit Fortschritte erzielt wurden, die die Entwicklung der mordernen plastischen Chirurgie entscheidend geprägt haben:

1. Gefäßgestielte Lappenplastiken

Die Deckung von Defekten ist die häufigste Aufgabe der plastischen Chirurgie. Sie besteht somit in erheblichem Aufwand aus Techniken zur Verlagerung und Verpflanzung von Geweben. Von Anfang an war das grundlegende Prinzip die Erhaltung einer gerade ausreichenden Gewebsbrücke, über die die Blutversorgung des verlagerten oder verpflanzten Gewebes sichergestellt wurde. Seit den Zeiten der ersten italienischen Nasenplastik (Tagliacocci) bis zur Ära der Rollappen und Wanderlappen, die bei der rekonstruktiven Chirurgie nach dem zweiten Weltkrieg das wesentliche Verfahren darstellen, hat sich an diesem Prinzip nichts geändert. Grundlage war die Geometrie des verlagerten Lappens, d.h ein tolerables Längen-/Breitenverhältnis sowie bei der Verpflanzung eine ausreichend breite Kontaktfläche und eine ausreichend lange Zeitspanne für die Einheilung des Lappens.

Der entscheidende Fortschritt in Form der gefäßgestielten Lappen war die konsequente Nutzung der Tatsache, daß die Durchblutung des zu verlagernden Gewebes auch nur über einen Gefäßstiel allein sichergestellt werden kann, d.h. über eine zuführende Aterie und mindestens eine abführende Vene. Der Verzicht auf eine Gewebsbrücke ausreichender Breite ergab erhebliche zusätzliche Freiheitsgrade bei der Verlagerung solcher Lappen. Die Tatsache der mikrochirurgischen Verpflanzung erlaubte zudem den Verzicht auf langwierige Zwischenphasen, während deren früher der gesamte Wanderlappen an der Spender oder Empfängerregion zugleich fixiert werden mußte - meist mit sehr unangenehmen Zwangshaltungen für den Patienten.

2. Die Mikrochirurgie

Die Einführung des Mikroskopes in der Chirurgie der periphären Nerven erlaubte erstmals eine ausreichend präzise Bearbeitung dieser mit dem bloßen Auge nicht ausreichen beurteilbaren Strukturen. Die Ergebnisse der Nervenwiederherstellung konnten dadurch entscheidend verbessert werden. Die neue Dimension hat die Mikrochirurgie vor allem durch die Mikrogefäßchirurgie gebracht mit:

Replantation

Freie Gewebeverpflanzung

Der mikrochirurgische Anschluß der Gefäße erlaubte einerseits die Erhaltung abgetrennter Finger, Hände oder Füße durch Replantation und andererseits die freie Verpflanzung großer Gewebsabschnitte von einer Stelle des Körpers zu einer anderen. Vor allem für die freie Gewebeverpflanzung ist ein hohes Maß an technischer Sicherheit bei der mikrochirurgischen Gefäßnaht erforderlich, da sonst der Verlust des gesamten Transplantates droht. Seit der ersten freien Gewebeverpflanzung (Daniel und Taylor) wurde eine große Anzahl freier Gewebetransplantate entwickelt, so daß es nun möglich ist, große Hautareale, Muskeln, Knochen einzeln aber auch zusammen an einem Gefäßstiel zu übertragen. Grundlage ist stets die exakte Kenntnis der lokalen Gefäßarchitektur und vor allem der möglichen anatomischen Varianten.

3. Expandertechnik

Die extreme Dehnbarkeit der menschlichen Haut ist sicher ein bekanntes Phänomen. Man denke nur an die enorme Dehnung der Bauchhaut und der Brusthaut im Rahmen der Schwangerschaft. In systematischer Form wurde diese Eigenschaft der Haut jedoch erst seit der Einführung der Expandertechnik genutzt. Man gewinnt durch Volumenvermehrung in einem unter der Haut eingepflanzten Reservoir einen Überschuß an Hautoberfläche, der dann nach Entfernung des Reservoirs zur Defektdeckung in nächster Nähe genutzt werden kann.

4. Die Gewebedistraktion

Sie wurde primär in der Orthopädie eingesetzt, gewinnt aber in der Plastischen Chirurgie zunehmend Bedeutung. Sie beruht auf der Beobachtung, daß durch langsame Dehnung an einem durchtrennten Knochen die Knochenneubildung in so starkem Maße angeregt werden kann, daß eine Verlängerung um mehrere Zentimeter möglich wird. Dabei wird nicht nur der Knochen selbst verlängert, sondern auch die umgebenden Weichteile. In der plastischen Chirurgie ist dies von Bedeutung, z.B. bei der Behandlung angeborener Fehlbildungen des Mittelgesichtes, bei der Asymetrie des Unterkiefers und bei der Behandlung der Klumphand.

5. Endoskopie

Die Chirurgie durch das Endoskop hat erst relativ spät Eingang in die Plastische Chirurgie gefunden. Als minimal invasive Chirurgie mit kleinen Zugangswegen, die weit entfernt vom eigentlichen chirurgischen Geschehen angelegt werden können, hat sie bis jetzt vor allem dort eine Anwendung gefunden, wo Narben sehr störend sind. Durchgesetzt hat sie sich z.B. beim endoskopischen Stirnlift. Breite, wenn auch nicht unumstrittene Anwendungen findet sie auch bei der endoskopischen Karpaldachspaltung, d.h. bei der geschlossenen Eröffnung des Karpaltunnels in der Behandlung des Karpaltunnelsyndroms.

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